Lange Zeit habe ich gedacht, ich sei einfach nur unordentlich. Meine Wohnung wurde voller und voller, Schränke quollen über und in manchen Ecken stapelten sich Dinge, die ich seit Jahren nicht mehr benutzt hatte. Trotzdem fiel es mir unglaublich schwer, etwas wegzuwerfen.
Bei mir war es nicht nur das Kaufen selbst, sondern auch das Behalten. Jeder Gegenstand schien eine Bedeutung zu haben. Manche Dinge wollte ich „für später“ aufheben. Andere erinnerten mich an eine bestimmte Zeit oder an einen besonderen Moment. Wieder andere hatte ich gekauft, obwohl ich sie eigentlich gar nicht brauchte – und sie wegzugeben fühlte sich an, als müsste ich mir eingestehen, einen Fehler gemacht zu haben.
Oft sagte ich mir:
„Das kann ich bestimmt noch gebrauchen.“
„Dafür finde ich irgendwann eine Verwendung.“
„Es wäre doch schade, das wegzuwerfen.“
Die Wahrheit war jedoch, dass viele dieser Dinge jahrelang unangetastet blieben.
Je mehr sich ansammelte, desto unwohler fühlte ich mich. Gleichzeitig wurde das Aussortieren immer schwieriger. Die Menge überforderte mich. Manchmal wusste ich gar nicht, wo ich anfangen sollte. Jeder Gegenstand schien eine Entscheidung zu verlangen, und jede Entscheidung kostete Kraft.
Besonders schwierig war für mich die Erkenntnis, dass Hortverhalten oft nicht nur mit den Dingen selbst zu tun hat. Hinter dem Festhalten können Ängste, Unsicherheit, Verlustgefühle oder auch emotionale Bedürfnisse stecken. Manchmal geben Gegenstände ein Gefühl von Sicherheit. Manchmal füllen sie eine innere Leere. Und manchmal sind sie einfach ein sichtbares Ergebnis einer Kaufsucht, die über Jahre hinweg gewachsen ist.
Heute versuche ich, mich von dem Gedanken zu lösen, dass mein Wert oder meine Erinnerungen an Gegenständen hängen. Erinnerungen bleiben auch ohne den Gegenstand bestehen. Und Fehler aus der Vergangenheit werden nicht dadurch ungeschehen, dass ich die gekauften Dinge aufbewahre.
Es ist ein langer Prozess, aber lerne gerade, dass Loslassen nicht bedeutet, etwas zu verlieren. Manchmal bedeutet Loslassen, sich selbst wieder etwas mehr Freiraum zu schenken – in der Wohnung und im Kopf.
Meine Fragen an Euch:
- Fällt es euch schwer, Dinge wegzuwerfen oder zu verschenken?
- Welche Gegenstände könnt ihr besonders schlecht loslassen?
- Habt ihr schon einmal erfolgreich ausgemistet? Was hat euch dabei geholfen?
- Seht ihr einen Zusammenhang zwischen eurem Kaufverhalten und dem Ansammeln von Dingen?
Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Gedanken zu diesem Thema.